Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Bewegung und Beschäftigung

Wie ihre wildlebenden Verwandten müssen auch Kanarienvögel in Obhut des Menschen Platz und die Möglichkeit haben, um fliegen und turnen zu können. Das gehört zu ihren natürlichen Bedürfnissen.

Nehmen Sie die wildlebenden Grünfinken: Man sieht sie bei uns in Gärten und an Waldrändern fliegen und auf der Suche nach Nahrung an Sträuchern und Bäumen turnen. Die Kanarienvögel, die mit den Grünfinken verwandt sind, haben ähnliche Bedürfnisse. Die Flugmuskeln sind ihre wichtigsten Muskeln. Wenn sie diese nicht ausgiebig brauchen können, dann verkümmern sie. Ein Kanarienvogelheim sollte daher immer so eingerichtet sein, dass die Vögel darin fliegen und an Strukturen turnen können.
Schlecht ist hingegen die immer noch verbreitete Praxis, das Vogelheim mit Sitzstangen in gleicher Dicke, Elastizität und Oberflächenbeschaffenheit einzurichten, die in die gleiche Richtung weisen.

Die bessere Alternative sind Naturäste von einheimischen Weich- und Harthölzern, die erst noch einfach und kostenlos zu beschaffen sind.

Diese Äste dienen den Vögeln als Sitz- und Turngelegenheit. Achten Sie dabei auf eine Vielfalt von verschieden steilen, dicken, elastischen und rauen Ästen. Es ist für Ihre Vögel gut, wenn sie wie in der Natur auch an steilen oder rauen Ästen turnen oder nach dem Flug auf dünnen oder elastischen Ästen landen können. Eine solche Vielfalt ist wichtig für ihre Fitness, unterschiedliche Dicken sind wichtig für ihre Füsse. Auf rauen Ästen wetzen sich zudem die Krallen ab, was gut ist.

Als Äste eignen sich dünne Zweige von Tanne (rau), Buche oder Ahorn (weniger rau) sowie Hasel und Birke (glatt). Sie brauchen sich übrigens nicht zu sorgen: Naturäste von einheimischen, ungiftigen und ungespritzten Bäumen und Sträuchern sind ungefährlich für die Kanarienvögel.

Übrigens: Für Vögel ist es qualvoll, auf Stangen zu sitzen, die mit Sand überzogen sind. Sandhülsen für Sitzstangen sind darum in der Schweiz verboten.

Es ist gut, die Einrichtung des Kanarienvogelheims ab und zu zu verändern. Wenn Sie dies mit Mass tun, überfordern sie Ihre Tiere nicht. Stellen Sie beispielsweise ab und zu einen neuen, frischen Ast in eine Ecke. Anfangs werden die Vögel diesem wohl ausweichen, mit der Zeit werden Sie sich ihm aber nähern. Ein zu häufiges Umräumen des ganzen Heims wäre aber fehl am Platz, denn dies würde Ihre Tiere stressen. Auch sollten Sie das Heim nicht verändern, wenn die Vögel am brüten sind. Und bedenken Sie: Ihre Vögel brauchen Platz zum Fliegen. Sie sollten daher das Heim nicht mit allzu vielen Ästen verstellen.

Wenn Sie Ihren Kanarienvögeln das freie Fliegen ausserhalb der Zimmervoliere ermöglichen möchten, dann denken Sie daran, dass dies nicht immer unproblematisch ist und Gefahren lauern: Schliessen Sie alle Türen und Fenster. Vorhänge sollten am besten gezogen sein, damit die Vögel nicht in die Fensterscheibe fliegen. Achten Sie auch darauf, dass sich keine Katzen und Hunde im Raum befinden; sie könnten die Vögel jagen. Kanarienvögel gehören zudem nicht in die Küche. Dampf, heisse Herdplatten, heisse Teflonpfannen und ein mit Wasser gefülltes Spülbecken sind Gefahrenquellen. Teflon gibt Dämpfe ab, die für Vögel giftig sind. Bei Raclette-Essen sind schon Vögel verendet. Bedenken Sie zudem, dass ein nur unregelmässiger Freiflug die Vögel stressen kann. Und denken Sie daran, dass Ihre Vögel Kot fallen lassen können. Wer seinen Vögeln den Freiflug ermöglicht, muss dafür Toleranz aufbringen. Regelmässiger Freiflug ist übrigens kein Ersatz für ein zu kleines oder nicht tiergerechtes Heim.

Auch die Futtersuche ist Beschäftigung. Die wildlebenden Artgenossen der Kanarienvögel verbringen in der Natur einen Grossteil des Tages damit. Statt das Futter immer in einen Napf anzubieten, können Sie es auch in verschiedenen Futternäpfen anbieten oder ab und zu Futter verstecken. An frischen Ästen mit Blättern können ihre Vögel zudem wie in der Natur nach Insekten suchen.

Fachkontakt: info@bvet.admin.ch

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